Terminvorschau:
"Thaddäus Troll - Deutschland, dein Schwabe"
Eleonore Lindenberg erinnert an den Autor und sein Werk
Dienstag, 13. September 2011, 15:00 Uhr
Ort:
AWO Stuttgart e.V.
Begegnungs- und Servicezentrum Fasanenhof
Solferinoweg 7
70565 Stuttgart
Veranstalter:
AWO Stuttgart e.V.
Telefon: 0711 - 46 92 96 27
Terminrückschau:
"Aus dem Leben von Thaddäus Troll?"
Eleonore Lindenberg erinnert an den "Tucholsky aus Bad Cannstatt"
Mittwoch, 13. Juli 2011, 15:30 Uhr
Ort:
Württembergischer Automobilclub
Mörikestraße 30
70178 Stuttgart
Veranstalter:
Württembergisch-Badische Gesellschaft 1948 e.V.
Thaddäus Troll, engagiert aufmerksamer Zeitkritiker, Mitbegründer des Verbands deutscher Schriftsteller, Vizepräsident des bundesdeutschen P.E.N.-Zentrums, hochgeschätztes Rundfunkrat-Mitglied des Süddeutschen Rundfunks und Verfasser zahlreicher Bücher, u.a. des Bestsellers "Deutschland, deine Schwaben", war von 1966 bis zu seinem Tod 1980 Eleonore Lindenbergs Arbeitgeber. Sie versucht in ihrem Vortrag aus ihrer Sicht diesen außergewöhnlichen Menschen zu schildern. Anhand seines Oeuvres kommt auch das Heitere nicht zu kurz.
"Wer war eigentlich Thaddäus Troll?"
Eleonore Lindenberg erzählt vom Leben und Schaffen des Schriftstellers
Montag, 7.Februar 2011, 15:00 Uhr
Ort:
AWO Stuttgart e.V.
Begegnungs- und Servicezentrum Dürrlewang
Osterbronnstraße 64 B
70565 Stuttgart
Thaddäus Troll war ein Schwabe, und was für einer: Autor des Bestsellers "Deutschland, deine Schwaben", Übersetzer des noch immer begehrten Aufklärungsbuchs "Wo kommet denn dia kloine Kender her?", Verfasser des Gedichtbands "O Heimatland. Verse in schwäbischer Mund-Art" und mit der Übertragung von Molières "Geizigem" ins Schwäbische unter dem Titel "Der Entaklemmer" vom Publikum gefeierter Bühnenautor. Genug Stoff also, dass er für viele nur noch der Mundart-Schriftsteller war. Es gab aber auch den anderen Troll: den Feuilletonisten, Essayisten, Reiseschriftsteller, Verfasser von Hör- und Fernsehspielen, auch den Theaterkritiker und nicht zuletzt den Funktionär, der in Verbänden und Gremien für die Belange seiner schreibenden Kollegen eintrat, seinen Bekanntheitsgrad dafür wirkungsvoll nutzend.
Eleonore Lindenberg, von 1966 bis 1980 Thaddäus Trolls Sekretärin, erinnert an diesen Stuttgarter Schriftsteller aus Bad Cannstatt. Sie hat "Trolls Wortwitz lebendig gemacht" und gibt "gekonnt tiefere Einblicke in Trolls Werk" (Iris Frey in der Cannstatter/Untertürkheimer Zeitung, 1.6.2005).
"Halbdackel! Huatsempel! Donderskrott!"
Eleonore Lindenberg stellt "Thaddäus Trolls Schwäbischen Schimpfkalender"für das Jahr 2011 vor
Dienstag, 25. Januar 2011, 15:00 Uhr
Ort:
Treffpunkt Mozartstraße
Mozartstraße 16
70734 Fellbach
Es gibt ihn wieder, "Thaddäus Trolls Schwäbischen Schimpfkalender". Eleonore Lindenberg stellt ihn für das Jahr 2011 vor, den sie in der Tradition seines Erfinders Thaddäus Troll herausgibt, und plaudert dazu aus dem Nähkästchen über ihre Tätigkeit als Sekretärin des schwäbischen Bestsellerautors, der beim Sammeln von schwäbischen Schimpfwörtern aus dem Vollen schöpfen konnte. Seinen Landsleuten bescheinigte er: "Schimpfen ist nicht nur eine Äußerung des Protests, es ist ein schwäbisches Grundrecht, eine genußreiche, sprachschöpferische Betätigung."Dabei geht es aber nicht nur derb zu, sondern auch anerkennend: "Donderskrott!"oder zärtlich: "Amenaschlupferle..."
"Damen altern langsamer"
und andere Geschichten von Thaddäus Troll
Eleonore Lindenberg erinnert an den „Tucholsky“ aus Cannstatt
Dienstag, 26. Oktober 2010, 15:00 Uhr
Ort:
Treffpunkt Mozartstraße
Mozartstraße 16
70734 Fellbach
"Perfekt war er nie - eher imperfekt"
Eleonore Lindenberg erinnert an Thaddäus Troll
Donnerstag, 15.04.2010, 20:00 Uhr
Ort:
Simplicissimus-Haus
Hauptstraße 59
77871 Renchen
Veranstalter:
Förderverein Grimmelshausenfreunde Renchen e.V.
Eleonore Lindenberg arbeitete über 14 Jahre als Sekretärin von Thaddäus Troll.
Mit ihren Vorträgen will sie das Ansehen und die Erinnerung an den großen schwäbischen
Dichter wachhalten. Darüber hinaus verwaltet sie den literarischen Nachlass des "Tucholsky aus Bad Cannstatt"
und kümmerte sich als Vorstandsmitglied im Förderkreis deutscher Schriftsteller in
Baden-Württemberg e.V. um den Autoren-Nachwuchs.
Thaddäus Troll – Deutschland, dein Schwabe
Eleonore Lindenberg erinnert an den "Tucholsky" aus
Bad Cannstatt
Montag, 23.03.2009, 19:00 Uhr
Ort:
VHS Schorndorf
Raum 13
Augustenstraße 4
73614 Schorndorf
Thaddäus Troll – Deutschland, dein Schwabe
Eleonore Lindenberg erinnert an den "Tucholsky" aus
Bad Cannstatt
Freitag, 13.02.2009, 20:00 Uhr
Ort:
Gaststätte Luginsland
Fellbacherstraße 143
Stuttgart-Luginsland
Thaddäus Troll – Deutschland, dein Schwabe?
Erinnerungen an den "Tucholsky" aus Bad Cannstatt
Vorgetragen von Eleonore Lindenberg
Donnerstag, 25.09.2008, 18.00 Uhr
Ort:
Forum Mitte
Blumenstraße 11
71332 Waiblingen
Thaddäus Troll – Deutschland, dein Schwabe?
Erinnerungen an den "Tucholsky" aus Bad Cannstatt
Vorgetragen von Eleonore Lindenberg
Dienstag, 26. Februar 2008
Veranstalter:
Treffpunkt Mozartstraße
Mozartstraße 6
70734 Fellbach
Thaddäus Troll – Deutschland, dein Schwabe?
Erinnerungen an den "Tucholsky" aus Bad Cannstatt
Vorgetragen von Eleonore Lindenberg
Mittwoch, 14. November 2007
Gewerkschaftshaus
Willi-Bleicher-Straße 20, Raum 245
70174 Stuttgart
Thaddäus Troll – Lesekonzert
Eleonore Lindenberg berichtete aus seinem Leben
Martin Hinze rezitierte aus dem umfangreichen Lebenswerk
Michel Biehler machte die Musik
Samstag, 1. Dezember 2007
Veranstalter:
Kulturverein Oberes Bottwartal e.V.
Thaddäus Troll – Deutschland, dein Schwabe?
Erinnerungen an den "Tucholsky" aus Bad Cannstatt
Vorgetragen von Eleonore Lindenberg
Donnerstag, 13. Dezember 2007
Veranstalter:
Otto-Rombach-Bücherei
Hauptstraße 19
74321 Bietigheim-Bissingen
Thaddäus Troll – Deutschland, dein Schwabe?
Erinnerungen an den "Tucholsky" aus Bad Cannstatt
Vorgetragen von Eleonore Lindenberg
Montag, 10. September 2007, 19:00 Uhr
Gemeindezentrum Untertürkheim - GZU
Warthstraße 16
Veranstalter:
KAB Katholische Arbeitnehmer-Bewegung
St. Johannes Untertürkheim
Cannstatt, dein Thaddäus Troll
Eleonore Lindenberg erinnerte an den „Tucholsky“ aus der Marktstraße
Freitag, 30. März 2007, 19:30 Uhr
Gemeindesaal der Stephanuskirche,
Bad Cannstatt, Burckhardtstraße 77
kultur im kloster
Thaddäus Troll – Deutschland, dein Schwabe?
Erinnerungen an den „Tucholsky aus Bad Cannstatt“
Vorgetragen von Eleonore Lindenberg
und Guido Keller
Freitag, 28. April 2006
Marktplatz 28, 72160 Horb
KUNST AM SONNTAG
Thaddäus Troll – Deutschland, dein Schwabe?
Erinnerungen an den „Tucholsky aus Bad Cannstatt“
mit Eleonore Lindenberg und Guido Keller
Sonntag, 19. Februar 2006
Stuttgarter Künstlerbund e.V.
Café Künstlerbund
Am Schloßplatz 2, 70173 Stuttgart
Benefiz-Auktion zu Gunsten der AMSEL
Sonntag, 10. Juli 2005
Mercedes Forum,
Heilbronner Straße 339,
70469 Stuttgart-Feuerbach
Benefiz-Auktion von Grafiken, Zeichnungen, Gemälden und Souvenirs aus dem Besitz von Thaddäus Troll zu Gunsten der AMSEL
(u.a. Werke von Günter Grass, HAP Grieshaber, Herbert O. Hajek, Heinrich Klumbies, Sepp Mahler, Reinhold Nägele, Günter Schöllkopf)
Mit Prof.Dr.h.c. Lothar Späth
in Zusammenarbeit mit Nagel-Auktionen, Stuttgart
Zur Eröffnung traten auf:
Felix Huby, Gerhard Raff, Walter Schultheiß,
Christoph Sonntag, Dietz-Werner Steck sowie Trudel Wulle
www.amsel.de
Thaddäus Troll :
Szenen, Texte, Gespräche zum 25. Todestag
Dienstag, 5. Juli 2005
Renitenztheater, Eberhardstraße 65, 70173 Stuttgart
Mit Susanne Eisenmann, Erhard Eppler,
Eberhard Jäckel,
Dieter Lattmann, Christine Prayon,
Gerhard Raff,
Martin Theuer, Sebastian Weingarten
Moderation:
Rainer Wochele
Gäste waren u.a.:
Peter Conradi, Michael Kienzle, Carmen Kotarski,
Gerdi Sobek-Beutter, Rolf Thieringer, Imre Török,
Monika Wüst, Ulrich Zimmermann
Schirmherr:
Prof. Dr. Lothar Späth
Cannstatt, dein Thaddäus Troll
Eleonore Lindenberg erinnerte an den „Tucholsky” aus der Marktstraße
Mit ausgesuchten Leckereien aus Klaibers Küche
Eine Veranstaltung im Rahmen der Cannstatter Mundarttage
Veranstalter: Café Klaiber, Horst Klaiber
Mittwoch, 25. Mai 2005
Café Klaiber,
König-Karl-Str. 18
Thaddäus Troll - Deutschland, dein Schwabe?
Facetten aus seinem Leben, aus seinen Büchern - weder „vordergründig
noch hinterrücks” erinnerte
Eleonore Lindenberg an den „Tucholsky aus
Bad Cannstatt”
Mitwirkung: Guido Keller
Freitag, 18. März 2005
Weinmanufaktur Stuttgart Untertürkheim,
Strümpfelbacher Straße 47,
70327 Stuttgart
Thaddäus Troll - Deutschland, dein Schwabe?
Erinnerungen an den "Tucholsky" aus Bad Cannstatt
Von Eleonore Lindenberg
Freitag, 7. Januar 2005
Gemeindehaus Buoch
Veranstalter: Heimatverein Buoch e.V.
„Thaddäus Troll stand im Mittelpunkt der Hauptversammlung (Anm.: des
Heimatvereins Buoch)... Den Schwerpunkt bildete der Vortrag 'Thaddäus
Troll - Deutschland, dein Schwabe' von Eleonore Lindenberg. Die
Referentin, seine langjährige Mitarbeiterin, zeichnete ein
eindrucksvolles Bild vom Leben und Schaffen des aus Stuttgart - Bad
Cannstatt stammenden Schriftstellers mit dem bürgerlichen Namen Dr.
Hans Bayer... Tonbandaufnahmen des Autors, der 1980 den Freitod
wählte, waren besonders beeindruckend. Mit ihrem Vortrag machte Eleonore Lindenberg klar, dass Thaddäus Troll nicht nur ein Meister tiefgründigen schwäbischen Humors war, sondern ein Schriftsteller, der sich nachhaltig für das kulturelle Leben unserer Heimat eingesetzt und sich um dieses sehr verdient
gemacht hat.”
Mitteilungsblatt Remshalden vom 20.1.2005
„Wenn ein Autor 25 Jahre nach seinem Tod 200 Menschen zu einer Lesung
lockt, muss er ihnen aus der Seele sprechen. Unter dem Titel
'Deutschland, dein Schwabe?' erinnerte seine langjährige
Mitarbeiterin, Eleonore Lindenberg, in der Weinmanufaktur an Thaddäus
Troll, den 'Tucholsky' aus Bad Cannstatt... Dass der gebürtige
Cannstatter ein begnadeter Schriftsteller und vor allem
außergewöhnlicher Mensch war, wurde durch die authentischen
Erzählungen seiner engsten Mitarbeiterin spürbar... Bundesweit
bekannt geworden ist er unter seinem Pseudonym Thaddäus Troll durch
'Deutschland, deine Schwaben', das ihm die Anerkennung als Experte
einbrachte, der den Stammescharakter der Schwaben am besten
erforschte. Troll war nicht nur als Autor geschätzt, seine
menschliche Art und der kritische Schwaben-Geist hatten im
SDR-Rundfunkrat und im Schriftstellerverband Gewicht. In den zwei
Stunden mit Lindenbergs persönlichen Erinnerungen an den 'Tucholsky'
aus Bad Cannstatt hatten die Gäste einen großen Literaten und
Menschen kennengelernt.”
Cannstatter/Untertürkheimer Zeitung vom 22. März 2005
„Trolls Wortwitz lebendig gemacht”
Bad Cannstatt: Eleonore Lindenberg gab im Cafe Klaiber bei den Mundarttagen Einblicke in Leben und Werk
VON IRIS FREY
Es ist ihr ein Bedürfnis über Thaddäus Troll zu erzählen, sein Werk bekannt zu machen - das gelang Eleonore Lindenberg erstmals im Rahmen der Cannstatter Mundarttage im Cafe Klaiber: Lindenberg war von 1966 bis 1980 Trolls Mitarbeiterin. Sie hat sein erstes Erfolgsbuch „Deutschland deine Schwaben” (1967) vom Manuskript getippt. Die Originalseiten zeigte sie. Ein Mann kam extra ganz nah und schaute, ob auch die Handschrift Trolls leserlich war. Sie war es.
Nur gewundert habe sich Troll, dass Lindenberg nach dem Abtippen keine Bemerkungen über das Werk fallen ließ. Sie hat es sich nicht getraut, berichtete sie. Obwohl sie ganz begeistert war und es ihr ein Vergnügen war, seine Werke zu schreiben. Doch da ist auch Troll, der Cannstatter, dessen 90. Geburtstag sich 2004 gejährt hat und der mit seiner sehr gut besuchten Ausstellung im Stadtmuseum gefeiert wurde, wie sich Lindenberg freut, die von 1976 bis 1989 ehrenamtliche Geschäftsführerin des Förderkreises deutscher Schriftsteller Baden-Württemberg war. In ihrem ersten Lesungsteil steht der Troll im Mittelpunkt, der am 18. März 1914 in Bad Cannstatt als Hans Bayer geboren worden ist. Lindenberg versteht es glänzend, den Geburtsort Trolls nachzuzeichnen, zu dem der Autor ein zwiespältiges Verhältnis hatte. Sie zeigt Fotos des Elternhauses in der Marktstraße, auf dem heute der Kaufhof steht, die Seifensiederei des Vaters, in der auch die Frau Kommerzienrat Daimler einkaufte. Sie zeichnet das Bild Trolls, der sich auf dem Kepler-Gymnasium zur Gruppe der „Athener” zählte und sich mit 15 Jahren als „politisch wach” bezeichnete. Lindenberg beschreibt ein Bad Cannstatt, das damals weltmännisch und großzügig war, zugleich hatten es Minderheiten schwer. Der Vater war übrigens Mitbegründer des VfB, der Sohn wurde Fan des Clubs.
Überlebt haben als Verpflichtung
Die Eltern nahmen Troll mit 15 Jahren mit ins Theater, eine große Theaterliebe entstand. 1933 verstärkt durch den Wunsch Trolls, Journalist zu werden. So kam er zur Cannstatter Zeitung als „Chefredaktionspraktikant”. Troll hat gerne an die Jugend in Bad Cannstatt zurückgedacht, so Lindenberg. Dann beginnt seine Karriere als Theaterkritiker und Schriftsteller. Troll studiert in Tübingen, München, Halle und Leipzig Germanistik, Kunstgeschichte, vergleichende Literaturwissenschaft, Theater- und Zeitungswissenschaft.
Lindenberg erklärt, wie es zur Wahl des Pseudonyms kommt, um im Bücherregal links von seinem Lieblingsautor zu stehen, Kurt Tucholsky. Sie beschreibt eindrücklich die Rückkehr Trolls aus dem Krieg nach Bad Cannstatt, zum „Schuttgebirge am Wilhelmsplatz”. Doch das Elternhaus ist heil und der Hausschlüssel passt noch. Das Glück, überlebt zu haben, bleibt ihm fortan Verpflichtung. Oscar Heiler trägt per Kassette Trolls Gedicht „Mein Cannstatt” vor. Gaby Lutz, die bei Oscar Heiler in der Bergstraße im Stuttgarter Osten im Haus gewohnt hat, der Troll über die Aufführung des „Entaklemmer” kannte, hört besonders interessiert zu.
Fehlt noch Troll als Gründer der ersten politischen Wochenzeitschrift „Wespennest”. Troll, der kritische Zeitgenosse, der aneckte. Unwollentlich mit der Übersetzung von „Wo kommat denn dia kloine Kender her”, das im sittenstrengen Spanien als Schulbuch eingeführt wurde. Bevor Lindenberg gekonnt tiefere Einblicke in Trolls Werk und seinen Wortwitz gibt, serviert Horst Klaiber seine schwäbischen Versucherle, die sicher auch den Koch, Weinkenner und -liebhaber Troll beeindruckt hätten. So hat Humorist Troll ein Kochbuch geschrieben mit Gerichten, „mit denen man Gäste fertig machen kann”.
Eleonore Lindenberg ist es gelungen, den Autor, der das Schwäbische berühmt gemacht hat, lebendig zu machen. Die Cannstatter dürfen stolz auf den Literatensohn sein, der, so Walter Jens, „einer der letzten großen Impressionisten der deutschen Sprache” war, „wie es Tucholsky konnte”. Am 5. Juli 1980 starb Troll, wie Tucholsky, freiwillig.
Cannstatter/Untertürkheimer Zeitung 1. Juni 2005
Thaddäus Troll, der Schwabe an sich
Eleonore Lindenberg und Guido Keller erinnerten an die schwäbische Dichtergröße
HORB (gaw). „Wer kennt ihn nicht?", sagt Walle Sayer vom „Projekt Zukunft" über den als Mundartdichter berühmt-berüchtigt gewordenen Cannstatter Thaddäus Troll (1914-1980). Schwäbisch gemeint einen ganzen Roman erzählte Eleonore Lindenberg von ihrem ehemaligen Chef und ausgewiesenen Schwaben am Freitag im Kloster. Seit seinem Tod macht sie ihn durch ihr Engagement ein bisschen unsterblich.
Sie hatte die Trollschen Konzeptblätter seines größten Erfolgs, „Deutschland deine Schwaben", das das Selbst- und Sprachbewusstsein seiner Landsleute entscheidend verändert habe, mitgebracht. 1966, in den Anfängen ihrer Tätigkeit als seine Sekretärin, hatte sie dieses Buch, das in der „Spiegel"-Bestsellerliste zu finden war, abgetippt. Lindenberg identifiziert sich mit Trolls Arbeit.
Nach seinen Worten ist sie „Verwalterin und Sichterin des gesamt-trollschen Oeuvres". Nach seinem Tod war sie Herausgeberin seiner „Schwäbischen Schimpfwörterei". Sie habe Troll als sensiblen, integren, noblen und fürsorglichen Menschen erlebt.
Troll-Kenner Guido Keller rezitierte mit viel Ausdruck, gegebenenfalls authentisch schwäbisch-eifrig überzeugt, und vielmals ohne Blatt. Die (schwäbisch-)kulturelle Atmosphäre am Freitagabend im Kloster verdichteten neben Troll-Preisträger Sayer weitere besondere Gäste: Ralf Jandl als dem Förderkreis wohl gesonnener einstiger Beamter im Kultus-Ministerium, Karl Hurm (Troll besaß einige Bilder seiner naiven Malerei), Egon Rieble, Christoph Stählin und Heinz Högerle aus Rexingen. Troll, der promovierte schwäbische Philosoph an sich, hat als Schriftsteller, Journalist, Feuilletonist (vier Jahre beim „Spiegel") sehr vielfältig gewirkt.
Die satirische Zeitschrift „Das Wespennest" geht auf seine Kappe und bis 1953 Texte für das Düsseldorfer Kabarett „Kom(m)ödchen". Er arbeitete im Rundfunkrat des SDR (ab 1959), als Mitbegründer des Verbands deutscher Schriftsteller und des genannten Förderkreises (ab 1973). 1978 wurde er Vizepräsident des bundesdeutschen P.E.N.-Zentrums. Von 1979 war Vorsitzender des Fernsehausschusses und Mitglied des Programmbeirats der ARD, 1980 Mitglied der Expertenkommission „Neue Medien" im Land. Er verkämpfte sich in einflussreichen Posten für seinen Stand, unbequeme Redakteure, kritische Sendungen und ihre Autoren und unterstützte einzelne Politiker, wie Gustav Heinemann. Von Preisen nicht verwöhnt, erhielt er immerhin die für deutsche Journalisten renommierteste Auszeichnung, den „Theodor Wolff-Preis". Mit Fleiß stupfte der Moralist im positivsten, verbindendsten Sinne ins Wespennest seines Stammes. Sein einziger Gedichtband, „O Heimatland, Verse in schwäbischer Mundart", wurde von Walter Jens in der FAZ ausführlich ob seines raffinierten Sprachgebrauchs und seiner Zeitkritik gewürdigt: Troll als schwäbischer Tucholsky. Im Klappentext heißt es, er halte den Landsleuten den Spiegel vor, „grob wie das Leben und kein Tabu scheuend - ein literarischer schwäbischer Blues".
Er konnte ernste Dinge heiter sehen. Sein erster Roman „Herrliche Aussichten" (1959) war ein Buch von „etwas heimtückischer Heiterkeit". Das Theater Lindenhof, Melchingen, nahm sich mit viel Erfolg seines schlagkräftigen „Entaklemmer" an, wozu ihn bekanntlich Molières „Der Geizige" inspirierte. Gelobt wurde Troll, da er diesen bildkräftigen Dialekt literaturfähig gemacht hat. Jens zum „Troll-Lesebuch": „Der als 'gmüthafter Meister der Kleinkunst', als 'einfallsreicher Feuilletonist' und 'schwäbischer Poet' Abgetane war in Wahrheit ein Artist und poeta ductus, der... mit hohem Bewusstsein (und großer Risikobereitschaft) formulierte."
Troll sagte, der Umgang mit schwäbischen Idiomen sei ihm wie ein Spiel an der Orgel - statt nur am Klavier. Übel genommen haben ihm welche die Übersetzung des Aufklärungsbüchles „Wo kommet denn dia kloine Kender her?". Wohl solche mit dem ungeliebten Pietismus aus seiner Kindheit im Blut. Troll liebte Wein, gutes Essen, das Reisen und zwei Gattinnen - übrigens Journalistinnen. In der Zeit entsprossen Reisebücher, ein feuilletonistisch graziles Kochbuch und Weincharakterisierungen wie „feurige Draufgänger", „flache Blender" und „fade Gesellschafter" - wer kennt sie nicht in Menschengestalt.
(Südwest Presse vom 2.5.2006)
Thaddäus Troll – Deutschland, dein Schwabe?
Thaddäus Troll und Cannstatt: er hatte ein zwiespältiges Verhältnis zu seiner Geburtsstadt und lebte deshalb in Stuttgart „im Exil“. Gleichgültig war ihm seine Vaterstadt nie, sie ließ ihm auch keine Ruhe, er hat sich an ihr gerieben. Und er hat ihr Denkmale in seinen Büchern gesetzt, die als Liebeserklärungen an seinen Geburtsort zu verstehen sind. In seinem Gedicht „Mein Cannstatt“ bezeichnet er seinen Wohnort Stuttgart als „Wurmfortsatz“ von Cannstatt. Auch der Cannstatter Trollinger hat in Trolls Literatur seinen Stellenwert. Also, liebe Cannstatter, hoch soll er leben, euer Cannstatter Thaddäus Troll, Autor des Bestsellers „Deutschland, deine Schwaben“, Übersetzer des noch immer begehrten Aufklärungsbuchs „Wo kommet denn dia kloine Kender her?“, Verfasser des Gedichtbands „O Heimatland. Verse in schwäbischer Mund-Art“ und mit der Übertragung von Molières „Geizigem“ ins Schwäbische unter dem Titel „Der Entaklemmer“ vom Publikum gefeierter Bühnenautor. Genug Stoff also, dass er für viele nur noch der Mundart-Autor war. Es gab aber auch den anderen Troll: den Feuilletonisten, Essayisten, Reiseschriftsteller, Verfasser von Hör- und Fernsehspielen, auch den Theaterkritiker und nicht zuletzt den Funktionär, der in Verbänden und Gremien für die Belange der schreibenden Zunft eintrat, seinen Bekanntheitsgrad dafür wirkungsvoll nutzend.
Eleonore Lindenberg, von 1966 bis 1980 Thaddäus Trolls Sekretärin, erinnert an diesen Stuttgarter Schriftsteller aus Bad Cannstatt. Sie hat „Trolls Wortwitz lebendig gemacht“ und gibt „gekonnt tiefere Einblicke in Trolls Werk“ (Iris Frey in der Cannstatter/Untertürkheimer Zeitung vom 1.6.2005).
Thaddäus Troll – Deutschland, dein Schwabe?
Marbacher Zeitung vom 4. Dezember 2007
Mundartlicher Genuss vom Cannstatter Schwaben
Martin Hinze rezitiert im Beilsteiner Rathauskeller Thaddäus Troll
Beilstein. Das Thaddäus-Troll-Lesekonzert im Beilsteiner Rathauskeller ist für das Publikum ein Genuss gewesen. Es stimmte alles: die Rezitation, das Porträt des Dichters und Menschen, das Eleonore Lindenberg zeichnete, und das Akkordeonspiel von Michel Biehler.
Von Luzia Grimm
Es war ein Samstagabend, der an Köstlichkeit nur schwer zu überbieten ist. Dabei ist die Idee für das Thaddäus-Troll-Lesekonzert erst vor vier Wochen am Stammtisch geboren worden. Das hat Isolde Kuny vom Kulturverein Oberes Bottwartal verraten. Der Verein hat den Abend in Szene gesetzt.
„Er bringt die Worte zum Leuchten“, hat einmal jemand über Hans Bayer, besser bekannt als Thaddäus Troll, geschrieben. Eleonore Lindenberg, die 14 Jahre lang bis zu Trolls Freitod im Jahr 1980 seine Sekretärin war, hat diese Worte zitiert. Sie hat im Rathauskeller ein wunderbares Porträt über den Menschen Thaddäus Troll gezeichnet, in dem selbst Troll-Kenner noch viel Neues erfahren konnten.
Ein Loblied für die gelungene Rezitation von Thaddäus Troll
Bayer wuchs im Stadtteil Bad Cannstatt als Sohn einer Familie auf, die in der Marktstraße ein Seifensiedergeschäft betrieb. Nach einer kurzen Volontärzeit bei der Cannstatter Zeitung studierte er in Tübingen, München, Halle und Leipzig Germanistik, Kunstgeschichte, vergleichende Literatur-wissenschaft sowie Theater- und Zeitungswissenschaft. Ein Kompliment hat Eleonore Lindenberg dem Rezitator Martin Hinze gemacht. Er halte dem Vergleich mit einem Staatsschauspieler stand, bloß habe sie bei diesem den schwäbischen Unterton vermisst. Hinze ist ein Eigengewächs des Kulturvereins, Beilsteiner und von Haus aus Ingenieur. Dass er Schwäbisch in Stuttgart gelernt habe, tat er schon gleich zu Beginn kund. „Ich liebe Troll“, hat er später in der Pause verraten.
Entrückt aus dem Alltag fand sich der geistreiche Troll in seiner Schwäbischen Weinprobe, in der auch die Grafen Adelmann und Bentzel-Sturmfeder samt einer Hohenbeilsteiner Trockenbeerenauslese vorkommen. Um entrückt zu sein beim Thaddäus Troll-Lesekonzert, hat es keines Weines bedurft. Vortrag und Musik, die angeregt schienen von der Dichtkunst, genügten. Ab und zu schien es, als lächle selbst Troll wohlgefällig von seinem gerahmten Porträtfoto aus der Kellerstufen-Kulisse herab.
Ein Elsässer wertet das Programm musikalisch auf
Es hätte ihm sicher gefallen, was Michel Biehler auf seinem Akkordeon an Melodien gezaubert hat. Bei „Rosenstock, Holderblüt“ und „Widele, Wedele“ summten die Troll-Entrückten im Rathauskeller mit. Und als von Grafen und Herzögen die Rede war, erklangen mittelalterliche Weisen. Biehler ist ein Franzose aus dem Elsass, den es nach Ludwigsburg verschlagen hat. Dort hat ihn der Kulturverein Oberes Bottwartal für sich entdeckt. „No miasset mer halt ens Elsass nüber“, heißt es in „O Heimatland“, in dem Troll gradraus Architekten, Kleinkarierte und „Liadriche“ dafür verantwortlich macht, was sie aus dem Schwobaland, dem Herrgott sein Paradiesgärtle, gemacht haben.
„O Heimatland“ nannte Troll auch sein Buch voller Verse in schwäbischer Mundart, bei denen jedem Schwaben das Herz aufgeht. Manchmal bleibt einem auch die Luft weg, weil er eben so saugrob wie zärtlich werden kann, wie Schwaben halt nun einmal sein können.
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Heilbronner Stimme vom 5. Dezember 2007
Warmherziger, musikalischer Thaddäus Troll
Von Ulrike Maushake
Beilstein
„Zletscht hot dr Herrgott s Schwobaland gschaffa ond sich drbei no amol gottsallmächtich miah gä“: So ein Satz lässt Mundartenthusiasten dahinschmelzen. Martin Hinze vom Kulturverein Oberes Bottwartal liest im Rathauskeller „O Heimatland“ von Thaddäus Troll, liest von „burga kircha kleeschter schlesser“, von „hoimelige neschter derfer hefter flecka äckerla wiesla burra hecka bächla gompa“ und man begreift, warum Walter Jens Thaddäus Troll als den letzten Sprachimpressionisten bezeichnete.
Neben Tucholsky
Gast dieses Abends ist Eleonore Lindenberg, Trolls langjährige Mitarbeiterin. Sie liefert einen biografischen Abriss, gespickt mit Anekdoten, erinnert an den Menschen Hans Bayer, der am 18. März 1914 als Sohn eines Seifensieders geboren wurde. Doktor der Philosophie, „Spiegel“-Korrespondent, Mitarbeiter beim Kom(m)ödchen, Begründer des „Wespennests“. Sein Pseudonym Thaddäus Troll habe er gewählt, um in alphabetisch geordneten Bücherregalen links neben Tucholsky zu stehen.
Thaddäus Troll muss von der hoch gewachsenen, feinen Dame begeistert gewesen sein, die er 1966 zum Vorstellungsgespräch einlud, und die ihm, bis zu seinem Freitod 1980, als, so Troll, „getreue Sachwalterin“ zur Seite stand. Die sich jahrelang als Vorstandsmitglied im Förderkreis deutscher Schriftsteller für Autoren-Nachwuchs einsetzte und sich um Bayers literarischen Nachlass kümmert.
Satirische Texte
Musikalisch wird die Lesung von Michel Biehler ergänzt. Der gebürtige Franzose aus Ludwigsburg hat sein Akkordeon mitgebracht, das wiederum ein Italiener ist. Und was ein Franzose und ein Italiener aus dem schwäbischen Lied „Widele, wedele, hinter dem Städele“ machen, ist so überraschend, wie bezaubernd. Auch europäische Tänze begleiten die Lesung mit satirischen Texten, von Hinze wunderbar vorgetragen, in denen so liebevoll wie bösartig die schwäbische Seele bloßgelegt, aber nicht bloßgestellt wird. Heimat – aufs Korn genommen von einem, dessen Heimat die Sprache war.
Knitzer Menschenfreund mit Liebe zum Dialekt
Thaddäus Trolls ehemalige Sekretärin erzählt im Treffpunkt Mozartstraße über den schwäbischen Dichter
Von Brigitte Hess
Schlagfertig war er, und knitz. Er liebte gutes Essen, Wein - und seine Landsleute. Thaddäus Trolls ehemalige Sekretärin, Eleonore Lindenberg, malte im Treffpunkt Mozartstraße ein buntes Porträt des Autors und Journalisten.
1914 wurde Hans Bayer, so Trolls richtiger Name, als Sohn eines Seifensieders in Cannstatt geboren. Seine Eltern waren aufgeschlossene Leute, die gerne feierten und ins Theater gingen. Dorthin schickten sie ihren 15-Jährigen, als sie einmal eine Vorstellung nicht wahrnehmen konnten. Der Gymnasiast am Cannstatter Kepler-Gymnasium war fasziniert von der Welt des Theaters, und als er kurz darauf einmal einen Leserbrief an die Zeitung schrieb und dieser prompt gedruckt wurde, stand sein Berufswunsch fest: Er wollte Journalist werden.
Hans Bayer studierte in Tübingen, München, Halle und Leipzig Germanistik, Kunstgeschichte, vergleichende Literaturwissenschaft, Theater- und Zeitungswissenschaft und promovierte in Leipzig in Philosophie.
„Das Glück, den Krieg unbeschadet überstanden zu haben, blieb ihm lebenslang Verpflichtung", sagte Eleonore Lindenberg, die ihren ehemaligen Chef als „großzügigen Menschenfreund" charakterisierte. Zweimal war Hans Bayer mit Journalistinnen verheiratet, er hatte drei Töchter. Gleich nach dem Krieg erhielt er die Erlaubnis zu publizieren, aber zunächst nur unter einem Pseudonym - er wählte den Namen Peter Puck. Später entschied er sich für Thaddäus Troll, weil er „in alphabetisch geordneten Bücherregalen links von seinem Vorbild Tucholsky stehen wollte".
Thaddäus Troll war freier Mitarbeiter vieler regionaler und überregionaler Zeitungen und Zeitschriften und gab das „Wespennest", Deutschlands erste politisch-satirische Zeitschrift, heraus. Ende der 50er Jahre wurde er Rundfunkrat des Süddeutschen Rundfunks. „Ich hätte mir keinen besseren Chef denken können, er war ein Gemütsmensch", sagte
die Referentin, die das Publikum im Treffpunkt Mozartstraße mit Anekdoten von und um Thaddäus Troll unterhielt. Ein „sozialer, großzügiger Arbeitgeber" sei er gewesen, „geizig war er nur bei allem, was einen Wert unter einer Mark hatte - zum Beispiel bei Briefmarken". Legendär seien seine Feste, zum Beispiel das „Landeshinterbliebenentreffen", ein Sommerfest für alle nicht Verreisten, gewesen, bei denen er oft für seine Gäste kochte. „Ich bin nur Journalist geworden, weil meine Begabung zum Koch nicht gereicht hat", so schilderte Troll seine Leidenschaft für gutes Essen und Trinken. Je älter er wurde, desto mehr veröffentlichte er auf Schwäbisch und verhalf dem Dialekt zu einem besseren Image. Weil er keine Hoffnung hatte, eine langwierige schwere Depression überwinden zu können, setzte Thaddäus Troll am 5. Juli 1980 seinem Leben selbst ein Ende. Eleonore Lindenberg widmet sich seither dem Lebenswerk Trolls und versucht mit ihren Vorträgen „das Ansehen und die Erinnerung an diesen großen schwäbischen Dichter" wachzuhalten.
Fellbacher Zeitung, 28. Februar 2008
Gutmütiger Mensch mit Ecken und Kanten
Eleonore Lindenberg stellt im Renchener Museumskeller ihren früheren Chef Thaddäus Troll vor
Renchen (mela)
Zu einem kurzweiligen und informativen Vortrag über ihren früheren Chef war Eleonore Lindenberg, die Sekretärin des schwäbischen Journalisten und Literaten Thaddäus Troll, im Museumskeller zu Gast. Ihr Vortrag stieß auf große Begeisterung. »Perfekt war er nie, eher imperfekt«, lautete der Titel der Veranstaltung mit Eleonore Lindenberg. Enthalten war diese Aussage im Nachruf auf den berühmten Schwaben, den dieser zu Lebzeiten über sich selbst verfasst hatte.
»Lachen ist etwas für Narren, umso mehr aber auch für Weise«, zitierte Lindenberg ihren ehemaligen Chef, der sein Leben dem Humor verschrieben hatte. Allerdings nicht dem derben, Schenkel klatschenden Kalauer, sondern dem subtil-behäbigen Wortwitz, der den Schwaben Thaddäus Troll so einzigartig macht.
Komplexer Mensch
»Ich will den komplexen Menschen Thaddäus Troll vorstellen. Ein Mensch, der sich selbst nicht wichtig nahm, außer, wenn er sich für andere einsetzte«, sagte Lindenberg. Der Mann, der nur deshalb Schriftsteller geworden ist, »weil es zum Koch nicht reichte«, wurde 1914 als Hans Bayer in Cannstatt geboren. Dort besuchte er das Gymnasium und erlebte mit 15 Jahren zum ersten Mal ein Theaterstück - ein unvergessliches Erlebnis.
Nach dem Abitur wurde er Volontär bei der Cannstatter Zeitung, gleichzeitig studierte er Literatur, Germanistik und Kunstgeschichte. »Mit seiner Zeitungstätigkeit finanzierte er sein Studium«, erklärte Lindenberg. Danach war er sieben Jahre lang Kriegsberichterstatter. Sein Überleben des Krieges bezeichnete er als seinen »zweiten Geburtstag«. Nach dem Krieg gründete er 1946 die erste satirische Zeitschrift Deutschlands mit dem Namen »Wespennest«. Sein Pseudonym Thaddäus Troll habe er deshalb gewählt, um in den Bücherregalen neben Kurt Tucholsky zu stehen, den er sehr verehrte. Er sei auch sozial sehr engagiert gewesen, erzählte Lindenberg. »Er hat die Künstlersozialversicherung mit auf den Weg gebracht und den Förderkreis für junge Schriftsteller mitbegründet«.
In den Vortrag eingestreut waren Aufnahmen von Lesungen Thaddäus Trolls und Fotos, so dass insgesamt ein sehr lebendiges Bild von ihm vermittelt wurde. Eleonore Lindenberg beschrieb ihn als »humorvoll, hochgebildet, sensibel, ausgesprochen galant und fürsorglich«. Sie trat 1966 ihre Stelle als seine Sekretärin an, eine Arbeit, die sie als »vergnügungssteuerpflichtig« bezeichnete. So tippte sie »Deutschland, deine Schwaben« in Reinform ab, getraute sich aber nicht, ihren Chef dafür zu loben.
Recht aufs Schimpfen
Da Schimpfen ein schwäbisches Grundrecht sei, habe Troll auch einen »Schwäbischen Schimpfkalender« mit 365 Schimpfwörtern für jeden Tag herausgegeben. Das Hohelied Salomonis lautet auf schwäbisch: »O du mei Schätzle, du bisch schee, mei goldiger Schatz, ond nex isch an dir was mir net gfallt«. Dass Thaddäus Troll unter schweren Depressionen litt, wird wohl der Grund gewesen sein, dass er bereits zu Lebzeiten seinen Nachruf verfasste. Am 5. Juli 1980 nahm sich der sympathische Schwabe das Leben. Als Leichenschmaus gab es Maultaschen und Trollinger, so, wie er es verfügt hatte. Eleonore Lindenberg erschien ebenso sympathisch, wie es ihr Chef wohl zu Lebzeiten gewesen war und erhielt begeisterten Beifall.
Acher-Rench-Zeitung vom 19. April 2010
Die Vertraute des Thaddäus Troll
Eleonore Lindenberg lässt den großen Schriftsteller lebendig werden
Renchen (bla) "Am Lachen erkennt man den Narren - aber auch den Weisen!"Mit
diesen weisen
Worten eröffnete Eleonore Lindenberg ihren Vortrag über den "Tucholsky
aus Cannstatt"Thaddäus Troll. Lindenberg war vierzehn Jahre lang die Sekretärin
und rechte Hand des bekannten schwäbischen Dichters und Schriftstellers
und somit mehr als prädestiniert im gut besuchten Simplicissimus-Keller über
ihn zu referieren. Lindenberg tat dies übersichtlich und mit zurückgenommener
Verehrung. Immer wieder stellte sie einen Bezug her zwischen den Werken Trolls, der mit bürgerlichem Namen Hans Bayer hieß, und dem Schöpfer
des "Simplicissimus"Grimmelshausen... Ein Jahr vor seinem Freitod (Bayer
nahm sich am 5. Juli 1980 das Leben) schrieb Troll gar einen Schelmenroman à la Grimmelshausen ("Wie Gotthelf Grieshaber die Brezel erfand"1979).
Doch bis zum Tod war es noch ein weiter Weg in Lindenbergs Vortrag, der so gespickt war mit humorvollen (nicht humoristischen!) Anekdoten, dass es eine wahre
Freude war, ihr hierbei zu lauschen. So erfuhr der geneigte Zuhörer
beispielsweise von Bayers Eltern, aufgeschlossenen Cannstatter Bürgern,
die dem Bub eine humanistische Bildung ermöglichten (am selben Gymnasium, das
auch Hermann Hesse besuchte); von den Abenteuern des Schriftstellers als
Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg ("den er vom ersten bis zum
letzten Tag miterlebte"); von seinem "zweiten Geburtstag"nach
Kriegsende am 26. Juli 1945, dem anschließenden "Vie du Bohème"im "Stuttgarter
Montparnasse"und natürlich von seinen schriftstellerischen Tätigkeiten.
So gründete Hans Bayer (damals noch unter seinem ersten Pseudonym "Peter
Puck") nach dem Krieg die satirische Zeitschrift "Wespennest", war zudem vier
Jahre lang Vertreter des "Spiegels"und schrieb für mehr als zwanzig
Zeitungen und Zeitschriften Theaterkritiken. Das Pseudonym "Thaddäus Troll"kam
erst später. Lindenberg hatte als seine Sekretärin u.a. die Ehre, sein wohl
bekanntestes Werk "Deutschland deine Schwaben"(1967) abzuschreiben.
Diese schwäbische Anekdotensammlung war wochenlang in den
"Spiegel"-Bestseller-Listen und führte den Autor über schwäbische
und deutsche Grenzen hinaus zu internationalem Ruhm. Lindenberg ließ Troll
immer wieder mit Hilfe des Tonbands oder in Zitaten selber zu Wort kommen und gab
somit Einblicke in den selbstironischen Ton des Autors. Seine Erfolge mit
dem "Schwabenbuch"etwa kommentierte er mit der Feststellung, dass
er doch "vor dem Bestseller auch nicht schlecht geschrieben habe"und: "Ich
war doch ein bekannter Kabarettist und charmanter Plauderer - und jetzt bin ich ein
schwäbischer Schriftsteller". Als solcher schuf er im Jahre 1976 dann
auch noch das bekannte und beliebte Luststück "D´r Entaklemmer",
das auf Molières "Geizigem"basiert. Doch auch wenn Troll nach außen hin den Schein
des Heiteren wahrte, thronten in Wahrheit Wolken schwerster Depression über
seinem Haupt. Seine Beerdigung war dann noch einmal Ausdruck des Trollschen
Humors: am Grab spielte eine "Dixieland-Band"statt einer "schlechten
Blaskapelle"und es gab auch keine "gewerbsmäßig Anteilnahme
heuchelnden Sargträger". Stattdessen gab es zum Leichenschmaus in einer Cannstatter
Wirtschaft "Maultaschen und Trollinger"!
Aus: Acher- und Bühler-Bote, 17./18. April 2010
(Anmerkung: Leicht redigierte
und gekürzte Fassung. Die Darstellung von Thaddäus Trolls Beerdigung
entspricht der fiktiven Schilderung in dem von ihm selbst verfassten "Nachruf
zu Lebzeiten".)